Die Phasen im Schussablauf

Blasrohrschiessen ist wie viele Schießsportarten (z.B. dem Bogenschießen) eine Sportart bei der es auf eine konstante Wiederholung des Ablaufs ankommt. Der Schussablauf muss immer gleich durchführt werden. Nur doch eine konstante und “in Fleisch und Blut” übergegangene Schusstechnik ist dies zu bewerkstelligen und ein entsprechenden Trefferbild möglich. Die Technik um mit dem Blasrohr zu schießen ist dabei unabhängig von der Entfernung zum Ziele oder dem Gelände (Bergauf/Bergabschüsse).

Der hier aufgezeigte Schussablauf, die Schiesstechnik und die Phaseneinteilung ist eine Eigenentwicklung von mir. Basis dafür sind meine Erfahrungen aus dem Bogensport und dem Blasrohrschiessen.

Die Phasen im Schussablauf bei dem Blasrohrschießen

Phasen im Schussablauf beim Blasrohrschiessen
Phasen im Schussablauf beim Blasrohrschiessen

Der Schussablauf gliedert sich in vier Hauptphasen

  • Vorbereitung
  • Atmung und Zielen
  • Ausblasen und Nachhalten
  • Nacharbeitung

Am Ende und Anfang einer jeden Phase hat der Schütze eine stabile Position eingenommen (P0 bis P4). Die Positionen P0 und P4 sind im Idealfall identisch bzw. nach P4 fängt der Schussablauf wieder bei P0 an. Im Techniktraining kann der Trainer oder der Schütze selbst diese Punkte als Kontrollpunkte für sein Training nutzen und an diesen Stellen seinen durchlaufenen Ablauf kontrollieren. Dieses Training wird dann Phasenablaufstraining genannt.

Vorbereitung

Schusstechnik: Vorbereitungsphase mit Aktivitäten
Schusstechnik: Vorbereitungsphase mit Aktivitäten

Jeder gute Schuss fängt mit einem stabilen Fundament an. Dieses Fundament wird in dieser Phase gelegt. Die Phase der Vorbereitung umfasst folgende Abläufe und Aktivitäten:

  • Blasrohrreinigung und Kontrolle der Blasrohrpfeile / Darts
  • Einnehmen der Schussposition an der Schiesslinie/am Abschusspflock
  • Einnahme eines stabiler und aufrechten Standes

Blasrohrreinigung und Kontrolle der Blasrohrpfeile / Darts

Zur Sicherstellung der Sicherheit sollte nur mit Equipment geschossen werde das in optimalen Zustand ist. Defekte Blasrohrpfeile oder Blasrohre können dazu führen das der Pfeilflug unkontrollierbar wird.Darüber hinaus ist auch die Treffsicherheit höher, wenn das Equipment so ist wie es sein sollte. Ist z.B. die Kone nicht an der gewohnten Stelle oder die Spitze lose, dann kann sich der Pfeilflug dadurch verändern. Daher jeden Blasrohrpfeil vor dem Schuss kontrollieren. Die Kontrolle des Blasrohrs sollte vor Training/Wettkampfbeginn erfolgen. Für die Kontrolle der Blasrohrpfeile bietet sich die Zeit nach der Trefferaufnahme an nachdem man die Pfeile aus der Scheibe gezogen hat. Die Blasrohrreinigung erfolgt im Wartebereich hinter der Schießlinie nach einer Passe an Pfeilen.

Einnehmen der Schussposition an der Schiesslinie/am Abschusspflock

Innerhalb dieses Abschnitts nimmt der Blasrohrschütze die Position an der Schießlinie/Pflock ein. Insbesondere die mentale Komponente ist hier wichtig. Der Schütze fährt an dieser Stelle “herunter” und fokussiert seine Konzentration auf den nachfolgenden Schuss. Nicht wenige Schützen haben sich hier ritualisierte Abläufe angewöhnt. Der immer gleiche Ablauf sorgt dafür das der Fokus gesetzt wird da das Gehirn dadurch einen Trigger bekommt sich zu konzentrieren. man kann in den Ablauf auch noch eine kurze kleine Dehnübung für den Oberkörper und ein paar tiefe Atemzüge zur Vorbereitung und mentalen Fokussierung einbauen.

Einnahme eines stabiler und aufrechten Standes

In diesem Abschnitt fängt der Blasrohrschütze an den Schuss aufzubauen,. Er nimmt den richtigen Stand und die gewohnte Körperhaltung ein. Das Blasrohr wird vor dem Körper in Position gebracht, jedoch noch nicht an den Mund angesetzt. Der Blasrohrpfeil wird aus dem Köcher entnommen und bereitgehalten. Ist der Stand eingenommen erfolgt eine kurze Kontrolle der Richtigkeit und wird ggf. korrigiert.

Atmung und Zielen

Aktivitäten in der Phase “Atmung und Zielen”
Aktivitäten in der Phase “Atmung und Zielen”

Bei dieser Phase fokussiert der Schütze das Ziel und bereitet den Schuss direkt vor. Dazu gehören folgende Einzelabläufe

  • Atmung und Luftholen
  • Fokussierung
  • (technischer) Zielvorgang

Atmung und Luftholen

Bei dieser Aktivität zum Start der Phase geht es darum seine Atmung bewusst zu kontrollieren und die für den Schuss notwendige Luft einzuatmen. Durch bewusst gesteuerte Einatmungsvorgänge die zuerst den unteren Lungenbereich (Bauchdecke hebt sich) und dann den oberen Bereich (Brustkorb hebt sich) füllt, wird das notwendige Lungenvolumen “aktiviert”. Durch diese tiefe Atmung wird das maximal mögliche Lungenvolumen ausgenutzt. Kurz vor dem Schuss wird dann mit einem langen Atemzug “Luft geholt” für den Schuss.

Zur Orientierung: Ein Erwachsener atmet ca. 11 bis 15 mal pro Minute. Pro Atemzug wird dabei ein Atemzugvolumen von 500 bis 700 ml genutzt. Durch das bewusste tiefe Atmen stellt man nun sicher ein möglichst großes Atemzugvolumen zu nutzen..

Fokussierung

Nachdem man nun die notwendige Luft geholt hat und bevor man das Blasrohr an den Mund ansetzt, begibt die Fokussierung. Das bedeutet das nun der Großteil der Konzentration auf das Treffen des Ziels gerichtet ist. Nicht wenige Schützen setzten aber auch schon vorher das Blasrohr an und hohlen erst dann, meist durch die Nase, Luft.

(technischer) Zielvorgang

Der Zielvorgang beginnt mit dem Ansetzen des Blasrohres am Mund, dessen Zentrierung am Mund (Korrekter Sitz des Blasrohres am Mund) und der ersten groben Ausrichtung des Mündungsstückes am Ziel. Die letztendliche Ausrichtung auf das Ziel erfolgt nach der Phase des Druck aufbauens. In dieser Endphase des Zieles sollte jedoch die Neuausrichtung nur noch gering ausfallen. Der Großteil der aAusrichtung soll in dieser Phase des technischen Zielvorgangs erfolgen.

Ausblasen und Nachhalten

Schusstechnik in der Phase “Ausblasen und Nachhalten”
Schusstechnik in der Phase “Ausblasen und Nachhalten”

Nach dem ganzen Schussaufbau geht es in dieser Phase darum das Blasrohr final auszurichten, den Pfeil zu beschleunigen und “sauber” in Richtung des Ziels zu bekommen. Dies Umfasst dabei folgende Schussabläufe:

  • Druck aufbauen
  • Ausblasen
  • Blasrohr Nachhalten

Druck aufbauen

In Abhängigkeit der genutzten Blastechnik (Backenblastechnik oder Zugenblastechnik) baut in dieser Phase der Schütze den notwendigen Druck für das Beschleunigen des Blasrohrpfeiles auf. Außerdem erfolgt hier die letztendliche Ausrichtung des Blasrohres auf das Ziel. Die Ausrichtung erfolgt jedoch erst nach dem Druckaufbau um Verwacklungen durch den Vorgang des Druckaufbaues zu vermeiden.

Ausblasen

In dieser Phase wird der aufgebaute Druck nun explosionsartig freigegeben um den Blasrohrpfeil zu beschleunigen. Neben der Freigabe des aufgebauten Drucks wird hier auch noch “Nachgeblasen”. D.h. nach dem abgeben des Schussen wird noch weiter in das Blasrohr ausgeatmet. dadurch wird vermieden das sich hinter dem beschleunigten Pfeil ein Unterdruck aufbaut und ihn abbremst. Beim dem gesamten Prozess des Ausblasens muss darauf geachtet werden das sich der Oberkörper nicht bewegt und damit das Blasrohr weiterhin korrekt auf das Ziel ausgerichtet bleibt.

Blasrohr Nachhalten

Nach Abgabe des Schusses durch das ausblasen muss der Schütze noch eine kurze Zeitlang das Blasrohr weiterhin ausgerichtet lassen. Dies hat zwei Gründe. Grund ein ist das der Schütze erst gar nicht dazu kommt sich ein extrem zu frühes Absetzen des Blasrohres anzugewöhnen. Denn dadurch könnte es sein das er den Absetzvorgang schon einleitet bevor der Pfeil das Blasrohr verlassen hat. Was zu einer zu tiefen Trefferlage führen würde. Der zweite, und wichtiger Grund, ist psychologischer Natur. Bleibt das Blasrohr durch das Nachhalten ausgerichtet, erkennt der Schütze (bzw. wird er intuitiv Wahrnehmen) relativ einfach wo er getroffen hat bei gleichzeitiger Erkennung der Ausrichtung des Blasrohres die dazu geführt hat. Dadurch “lernt” er welche Ausrichtung zu welchem Trefferbild führt. Das Wissen darüber kann dann bei den nächsten Schüssen zur Ausrichtung des Blasrohres genutzt werden.

Nacharbeitung

Phase Nachbereitung im Schussablauf
Phase Nachbereitung im Schussablauf

in der Phase der Nacharbeitung kehren wir zurück zum Ausgang des Schusses. Diese Phase bildet damit den Abschluss der Schusstechnik. Im Idealfall haben wir am Ende dieser Phase genau die selbe Position eingenommen wie man sie am Anfang der Phase der “Vorbereitung” hatte. Die Phase der Nacharbeitung umfasst dabei folgende Aktivitäten:

  • Absetzen
  • Entspannen
  • Verlassen der Schiesslinie / des Abschusspflocks

Absetzen

Nachdem nun der Pfeil geschossen und nachgehalten wurde, wird nun das Blasrohr wieder abgesetzt. Man positioniert das Blasrohr dabei so, das man den nächsten Pfeil gut einlegen kann ohne die Fußstellung und Oberkörperhaltung zu sehr zu verändern. Die Fußstellung sollte idealerweise gar nicht verändert werden. Wie das Blasrohr bei Pfeileinlage gehalten wird (Absetzposition), kann dabei sehr unterschiedlich sein. Es gibt Schützen die Stellen das Blasrohr auf die Zehenspitzen ab und führen dann den Blasrohrpfeil in das fast senkrecht stehende Blasrohr von oben ein. Wieder andere kippen es nur leicht nach vorne, behalten es aber dabei in fast waagrechter Position. Hier muss jeder Schütze sein optimalen Workflow selbst finden. Wichtig ist dabei nur, das man es immer selbst macht damit der Körper ein Automatismus entwickelt.

Entspannen

Die Konzentration permanent hoch zu halten ist unmöglich. Nach der Pfeileinlage bzw. dem Absetzen ist daher die Zeit gekommen mal kurz durchzuatmen und die Anspannung des vorherigen Schussen abfallen zu lassen. Hier sollte der Schütze auch eine bestimmte Routine entwickeln. Z.B. 5 mal tief Durchatmen. Wichtig dabei ist, den vorherigen Schuss gedanklich “abzuschließen”. Es sollen keine Gedanken an den vergangen Schuss den neuen Schussablauf beeinträchtigen. Wenn z.B. ein Schuss vollkommen daneben gegangen ist, dann muss in dieser Phase dafür gesorgt werden das dies “Geschichte” ist. Die negativen Gedanken dürfen nicht “zum nächsten Schuss” mitgenommen werden. Denn dies beeinträchtigt die Fokussierung/Konzentration und führt nicht selten dazu, das auch der nächste Schuss nicht gut wird.

Verlassen der Schiesslinie / des Abschusspflocks

Sind alle Pfeile der Passe geschossen verlässt man ruhig und ohne hektische Bewegungen die Schießlinie. Jubel, Unmutsäußerungen, wilde Gesten,.. an der Schießlinie würde andere Schützen die noch schießen stören. Bei dem Zurückgehen auch darauf achten das man mit dem Blasrohr niemanden anderen stört oder gar berührt.

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